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Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Als Gesellschaft innerhalb des Stadtkonzerns fühlt sich die GGH den Klimaschutzzielen Heidelbergs verpflichtet und bündelt ihre Maßnahmen in einer eigenen Klimastrategie, die 2022 im Rahmen der Strategie 2035 veröffentlicht und vom Gemeinderat verabschiedet wurde. Die Erreichung der Klimaschutzziele über Effizienzhausstandards ist nicht finanzierbar. Die GGH setzt auf technologieoffene und quartiersbezogene Konzepte zur Minderung des CO2-Ausstoßes und der Energieproduktion auf Quartiersebene. Entscheidend ist eine kluge Auswahl an Instrumenten und Maßnahmen, die sowohl zu den Nachhaltigkeitszielen beitragen als auch nutzerfreundlich sind und keine hohen Folgekosten haben.

Solarenergie für Heidelberg

Der Ausbau der Photovoltaik auf allen technisch und wirtschaftlich geeigneten Dächern in Kooperation mit den Stadtwerken Heidelberg und anderen Partnern ist wichtiger Bestandteil dieser Klimastrategie. 

Die GGH und ihre Tochtergesellschaft BSG stellen der Stadtwerke Heidelberg Energie GmbH (SWH-E) geeignete Dächer ihrer Bestandsimmobilien, wie auch der neu gebauten Immobilien zur Nutzung für Photovoltaikanlagen zur Verfügung. Laut Potenzialanalyse der SWH-E aus dem Jahr 2018 sind 61 Prozent der Dachflächen aller GGH-Gebäude mit einer voraussichtlichen Anlagenleistung von rund 10.000 Kilowatt-Peak (kWp) für die Installation einer PV-Anlage geeignet. Das rechnerische CO2-Einsparungspotenzial beträgt rund 5.100 Tonnen (t). Gemäß einer Rahmenvereinbarung mit den SWH-E sollen pro Jahr zusätzliche PV-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 800 kWp auf den Dächern der GGH installiert werden. 

Die Dächer müssen für die Installation einer Anlage geeignet (unter anderem Statik, Dachneigung und Ausrichtung) und ihr Zustand so gut sein, dass die nächsten 20 bis 25 Jahre keine Sanierung ansteht. Im Jahr 2024 wurden zahlreiche Gebäude hinsichtlich ihrer Eignung zur Installation von PV-Anlagen näher untersucht. Hierbei wurde festgestellt, dass auf vielen Dächern PV-Anlagen wirtschaftlich nicht betrieben werden können, da die Einzeldächer sehr klein und teilweise zu stark verschattet sind, nutzbare Flächen teilweise weitläufig voneinander getrennt oder die Höhenunterschiede der einzelnen Dächer zu groß für eine Zusammenfassung der Anlage sind. 

Weitere technische Herausforderungen entstehen dadurch, dass einige Gebäude zu hoch für eine Verlegung der Kabel sind oder die Objekte zu viele einzelne Hausanschlüsse besitzen, die eine Zusammenfassung der Teilflächen zu einer Anlage verhindern. In vielen Beständen muss im Zuge der Installation einer PV-Anlage zudem die Elektroverteilung vollständig erneuert werden. Es zeichnet sich somit bereits im Berichtszeitraum ab, dass das tatsächliche Potenzial zur Installation von PV-Anlagen deutlich unterhalb der Kennzahlen aus der Potenzialanalyse liegt. Investitionen der GGH in eigene PV-Anlagen, verbunden mit sogenannten Mieterstrommodellen, sind derzeit nicht vorgesehen. Hinsichtlich dieser Anlagen bestehen erhebliche rechtliche Unsicherheiten (EU-Recht versus Bundesrecht).

Insgesamt wurden im Jahr 2024 PV-Anlagen mit einer Leistung von rund 730 kWp p.a. auf Dächern von GGH-Gebäuden (inklusive MTV) in Betrieb genommen. Die Gesamtleistung der PV-Anlagen auf den Dächern der GGH-Gebäude beträgt zum 31. Dezember 2024 rund 1.600 kWp. Im Jahr 2025 ist die Installation von weiteren Anlagen mit einer Nennleistung von rund 900 kWp p.a. geplant.

E-Mobilität in unseren Quartieren

Bereits im Jahr 2020 hat die GGH mit den SWH-E eine Rahmenvereinbarung über den Aufbau eines gemeinsamen Netzes für E-Ladestationen im Stadtgebiet getroffen. Die GGH stellt dafür ihre Grundstücke kostenfrei zur Verfügung, die Stadtwerke Heidelberg übernehmen den Betrieb und die Unterhaltung der Ladestationen. 

Die Standorte für das Netz liegen sowohl in Vierteln mit Bestandsgebäuden als auch in den Neubauquartieren der GGH. Vom Boxberg bis nach Schlierbach befinden sich zum 31. Dezember 2024 zehn Standorte mit 22 Ladestellen in Betrieb. Zusätzlich werden im Verwaltungsgebäude der GGH zwei Ladestellen sowie im Heidelberg Congress Center (HCC) 80 Ladesäulen und im ehemaligen Forschungs- und Entwicklungs­zentrum (FEZ) in Bergheim 150 Ladestellen ange­boten. In der Quartiersgarage Hospital werden 2025 weitere sechs Ladestellen installiert.

In den Bestandstiefgaragen der GGH wurden aufgrund zu geringer Stromkapazitäten noch keine Ladesäulen installiert. Hierfür erarbeitet die GGH in Kooperation mit den Stadtwerken Heidelberg in den kommenden zwei Jahren ein Umsetzungsplan und ein Lastenmanagementsystem.

Ausleihstationen für E-Bikes und E-Lastenräder

Um ihren Mietern den Umstieg auf das Rad zu erleichtern, bietet die GGH seit 2022 in zwei Wohnanlagen die Ausleihe von E-Bikes und Pedelecs an. Diese erfolgt per App, die sich die Nutzer kostenlos herunterladen können. Die Räder werden induktiv geladen und sind rund um die Uhr fahrbereit. 

Trotz günstiger Konditionen und mehrfacher Bewerbung werden die E-Bikes und E-Lasten­räder nur selten von den Mietern in Anspruch genommen. Die GGH wird das Projekt daher in diesem Jahr bewerten und den weiteren Ausbau der Angebote von der Entwicklung der Nutzerzahlen abhängig machen.

Erweiterung des Fernwärmenetzes im Bestand

Die Umstellung der Energieträger im Gebäudebestand der GGH auf emissionsfreie und emissionsarme Alternativen bei einer gleichzeitig maßvollen Sanierung ist ein entscheidender Faktor für die Energiewende in den Beständen. Derzeit werden bereits 70 Prozent Wohnfläche der GGH-Bestände mit Fernwärme und 30 Prozent der Wohnfläche mit Gas beheizt. 

Die kommunale Wärmeplanung für Heidelberg sieht einen großflächigen Ausbau der Fernwärmeversorgung vor. Bis 2040 sollen 70 Prozent aller Haushalte in Heidelberg an die Fernwärme angeschlossen sein. Schon jetzt werden 56 Prozent der Fernwärme klimaneutral erzeugt, davon 29,1 Prozent aus erneuerbaren Energien. Die Planung der SWH-E sieht vor, bis zum Jahr 2030 eine weitgehend CO2-freie Wärme und bis zum Jahr 2035 eine komplett klimaneutrale Wärme bereit zu stellen.

„Die Dekarbonisierung der Energieträger ist ein zentraler Baustein für die klimafreundliche Transformation unseres Gebäudebestands.”

Matthias Buchholz, Nachhaltigkeitsmanager der GGH

Matthias Buchholz, Nachhaltigkeitsmanager der GGH

Dem bezahlbaren Umbau der Fernwärmesysteme kommt eine herausragende Bedeutung für einen sozial vertretbaren Pfad zur Erreichung der Klimaziele zu. In Baden-Württemberg gibt es verschiedene Förderungen für die Umstellung auf Fernwärme. Zusätzlich zur Bundesförderung (BEG) können Landeszuschüsse und Kommunalförderungen beantragt werden. Die genauen Konditionen hängen von den jeweiligen Kommunen und individuellen Voraussetzungen ab. Wünschenswert wäre, dass der Anschluss an ein grünes Fernwärmenetz zukünftig als förderfähige Maßnahme deklariert und entsprechend bezuschusst wird. 

Umstellung der Energieträger im Gebäudebestand

Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen im Wohnungsbestand (Prognose)

Fotos: GGH/Christian Buck; Grafiken: GGH