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Baustein 4: Pilotprojekt: Naturkapital sichtbar machen

Grünflächen sind mehr als ein gestalterisches Element im Wohnumfeld. Sie prägen die Aufenthaltsqualität in unseren Quartieren, leisten einen Beitrag zur Artenvielfalt und gewinnen mit Blick auf zunehmende Hitze- und Starkregenereignisse weiter an Bedeutung. Mit einem Pilotprojekt an der Wohnanlage Edinger Straße / Feudenheimer Straße in Heidelberg-Wieblingen hat die GGH im Berichtsjahr einen neuen Ansatz erprobt, um diese Leistungen nicht nur qualitativ zu beschreiben, sondern systematisch zu erfassen und bewertbar zu machen.

Naturkapitalbilanzierung als neue Entscheidungsgrundlage

Gemeinsam mit der LAND Research Lab GmbH wurde ein Pilotprojekt zur Naturkapitalbilanzierung durchgeführt. Ziel war es, die ökologischen und klimatischen Wirkungen von Grün- und Freiflächen im Bestand sichtbar zu machen. Dabei kamen digitale Methoden wie Fernerkundung, Geoinformationssysteme und digitale Liegenschaftsmodelle zum Einsatz.

Methodik der Naturkapitalbewertung: von der Erfassung bis zu Handlungsempfehlungen.

1. Erfassung des Naturkapitals
2. Bewertung der ökosystemischen Leistungen
3. Analyse der Makro- & Mikroklimabedingungen
4. Handlungsempfehlugen

Steckbrief Pilotanlage

Die betrachtete Wohnanlage umfasst rund 9.600 Quadratmeter Grundstücksfläche, davon mehr als 5.400 Quadratmeter Grünfläche. Ein Hauptaugenmerk lag auf der Erfassung des Baumbestands, welcher 36 Bäume umfasst, die sieben unterschiedlichen Baumarten zugeordnet werden konnten. Damit zeigt das Pilotprojekt beispielhaft, wie vielfältig die Leistungen bestehender Grünstrukturen im Quartier sind.

Modellhafte Abbildung der Pilotliegenschaft; Grundlage: LAND Research Lab GmbH

Ökosystemische Leistungen sichtbar machen

Die Auswertung macht die Leistungen des Baumbestands konkret sichtbar: Bäume binden Kohlenstoff, produzieren Sauerstoff, filtern Luftschadstoffe, unterstützen den Regenwasserrückhalt und spenden in Hitzeperioden wertvollen Schatten. Damit werden ökologische und soziale Mehrwerte für das Quartier besser beschreibbar und künftig gezielter steuerbar.

Ökosystemische Leistungen des Baumbestands (36 Bäume): messbare Beiträge für Klima, Umwelt und Lebensqualität / Quelle: LAND Research Lab (Pilotprojekt 2025)

Klimawirkung: Wohnanlage als kühle Insel

Klimawirkung der Pilotanlage: Bäume und Grünflächen schaffen natürliche Kühlung und Lebensqualität.

Veranschaulichung der Kühlwirkung von Grünflächen; Datengrundlage: LAND Research Lab GmbH

Während manche Ökosystemleistungen nur schwer unmittelbar erfahrbar sind, zeigt sich die Wirkung des Baumbestands in der Pilotanlage besonders deutlich: An heißen Tagen liegt die Umgebungstemperatur dort um bis zu 5 °C unter der Temperatur der Heidelberger Innenstadt. Der vorhandene Baumbestand trägt durch Schatten und Verdunstung wesentlich zur Kühlung des Quartiers bei. Zugleich weist er eine gute Vielfalt auf, was die ökologische Qualität der Freiflächen unterstreicht.

Gleichzeitig macht die Naturkapitalbilanzierung sichtbar, wo weitere Potenziale liegen. Insbesondere bei Wiesen- und Rasenflächen können durch eine extensivere und naturnähere Bewirtschaftung zusätzliche ökologische Leistungen erschlossen werden. Biodiversität, Regenrückhalt und Klimaresilienz lassen sich dadurch stärken, ohne neue Flächen schaffen zu müssen. Das Projekt zeigt damit, wie be­stehende Freiräume gezielt weiterentwickelt werden können.

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie der GGH. Es verbindet die Handlungsfelder Klimaanpassung, Biodiversität, Quartiersentwicklung und Wohnqualität. Zugleich unterstützt es eine datenbasierte Steuerung des Bestands: Was sichtbar und messbar wird, kann künftig gezielter entwickelt, gepflegt und in Investitions- und Bewirtschaftungsentscheidungen einbezogen werden.

Im nächsten Schritt soll die Methodik auf weitere Liegenschaften ausgeweitet werden. Damit schafft die GGH eine breitere Datengrundlage, um die ökologischen und sozialen Mehrwerte ihrer Grünflächen langfristig zu bewerten und weiterzuentwickeln. Das Projekt zeigt: Nachhaltigkeit entsteht nicht nur durch Gebäude, Energie und Technik, sondern auch durch die Qualität der Freiräume, die das Wohnen in Heidelberg lebenswert machen.

Fotos: GGH/Christian Buck