Bauen
Forschung für den Klimaschutz
Die energetische Sanierung des Gebäudebestands gilt als zentrale Aufgabe auf dem Weg zur Klimaneutralität. Doch wie kann dies gelingen? Die Technische Universität München (TUM) erforscht im Rahmen eines Sanierungsprojekts im GGH-Quartier Pfaffengrund angemessene Sanierungsvarianten. Dafür werden sieben baugleiche Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren nach unterschiedlichen Sanierungsstandards saniert, von minimalinvasiven Maßnahmen bis hin zum Effizienzhaus E55-Standard. GGH-Projektleiterin Kirsten Staemmler erklärt das Vorhaben.
Frau Staemmler, worum geht es bei dem Projekt?
Wir möchten herausfinden, welche Maßnahmen bei einer energetischen Sanierung Wirkung zeigen im Verhältnis zu dem Aufwand, den Kosten und den tatsächlichen Energieeinsparungen, die sich nach einer solchen Sanierung einstellen. Die Arbeitshypothese der TU München lautet, dass die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestands gegebenenfalls schneller erreicht wird, wenn gezielte Einzelmaßnahmen umgesetzt werden, anstatt einzelne Gebäude auf sehr hohe Standards hin zu sanieren.
Welche Rolle spielt die GGH dabei?
Die TU München kann ihre Fragestellung nur theoretisch betrachten. Die GGH kann die Theorie in die Praxis umsetzen und auswerten. Im Frühjahr 2024 sind wir mit dem Modellprojekt Pfaffengrund gestartet. An insgesamt sieben Gebäuden wenden wir unterschiedliche Sanierungsvarianten an und erheben die entstehenden Kosten sowie die Auswirkungen auf die CO2-Reduktion. Dies zeigt uns, welche Sanierungsstrategien den größten Nutzen bieten.
Wieso hat die GGH den Pfaffengrund für das Modellprojekt ausgewählt?
Die Mehrfamilienhäuser der GGH-Siedlung sind baugleich, sodass wir die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen gut vergleichen können. Zudem entsprechen die Zeilenbauten im Pfaffengrund einer Bauweise aus den 1950er Jahren, die es überall in Deutschland gibt. Somit sind die Ergebnisse aus dem Modellprojekt auf andere Gebäude und Städte übertragbar.
Wie weit ist das Projekt fortgeschritten?
Die Sanierungsarbeiten sind seit diesem Sommer abgeschlossen. Erste Ergebnisse der Modellsanierung liegen vor. Der Abschlussbericht wird für Anfang 2026, nach Ende der aktuellen Heizperiode erwartet.
Gibt es schon erste Erkenntnisse?
Erste Auswertungen zeigen einen ersten deutlichen Trend. Die Varianten mit einfachen Sanierungsmaßnahmen schneiden bei den CO2-Vermeidungskosten insgesamt am günstigsten ab. Komplexe High-End-Sanierungen nach Effizienzhaus-Standard sind sehr teuer und bieten im Verhältnis zu ihrem Aufwand geringere zusätzliche Einsparungen. Mit dem Geld für die Sanierung eines Hauses auf EH55-Standard könnten wir drei Gebäude auf einfachen Standard sanieren.
„Wie gut jemand lüftet, wie stark jemand heizt, hat zum Teil eine größere Wirkung auf den CO2-Ausstoß als die energetischen Sanierungsmaßnahmen.”
Kirsten Staemmler, GGH-Projektleiterin
Wer trägt die Kosten für die energetischen Sanierungsmaßnahmen?
Die Hauptkosten trägt die GGH. Ein kleiner Teil wird auch auf die Mieten umgelegt, und es gibt Zuschüsse vom Bund.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Die TU München wird noch in diesem Winter die Heizdaten auswerten und danach ihre endgültigen Berechnungen zusammenstellen. Ziel der GGH ist es, herauszufinden, wie wir mit unserem gesamten Gebäudebestand umgehen. Die TU München ist darüber hinaus beratend für die Politik tätig. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts fließen in den Strategiedialog „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ des Landes Baden-Württemberg ein.
Welche vorläufigen Schlüsse lassen sich darüber hinaus aus dem Modellprojekt ziehen?
Interessant ist, wie stark das Nutzerverhalten den tatsächlichen Energieverbrauch und somit die CO2-Einsparungen nach der Sanierung beeinflusst. Wie gut jemand lüftet, wie stark jemand heizt, hat zum Teil eine größere Wirkung auf den CO2-Ausstoß als die energetischen Sanierungsmaßnahmen. Zudem heizen die Bewohner nach der Sanierung häufig anders als vor der Maßnahme.
Einfach (um-)bauen und sanieren
Die Modellsanierung Pfaffengrund ist Teil des Forschungsprojekts „Einfach (um-) bauen und sanieren“ der Technischen Universität München (TUM), welches im Rahmen des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ (SDB) aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert wird.
Das Modellprojekt Pfaffengrund im Film finden Sie hier.
25. November 2025 | Fotos: Christian Buck